Sirenen und Nixen

Die Sirenen, die Nixen, die Meerjungfrauen. Sie steigen aus dem Meer und tauchen wieder hinab. Es heisst, die Meerjunfrau, ein Mischwesen zwischen Fisch und Mensch, habe keine eigene Seele, sondern muss sich die Seele eines Menschen verschaffen. Nach CG Jung ist die Nixe die instinktive Stufe, die Vorstufe eines zauberischen weiblichen Wesens, der Anima.



Amelia und Rodolpho
Die Nixe Amelia steigt bei Mondschein zum Uferrand empor. Wenn die Mondblumen blühen um Mitternacht. Die Goldfische sind ihre Begleiter, ihre Freunde. Die Netzhecke im Hintergrund ist gewachsen, damit sie ihren Geliebten, den Jüngling Rodolpho nicht mehr sehen kann. Ein Fluch, der den beiden auferlegt wurde. Doch der Jüngling hatte sich mit Hilfe der Mondblume in einen Goldfisch verwandelt, um seiner geliebten Amelia nahe sein zu können. Er berührt ihr langes Haar. Es ist für ihn die einzige Möglichkeit, ihre Liebe zu spüren. Diese Begegnung dauert nur eine Nacht. Die Eule hat es gesehen. Sie hat Mitleid mit dem Liebespaar. Die Eule hat Zauberkraft in der Vollmondnacht, denn auch sie kennt das Geheimnis der Mondblumen. Sie kann die beiden Geliebten für immer zusammenführen. Doch dafür gibt es nur zwei Möglichkeiten: entweder wird Amelia in Menschengestalt zu ihrem Rodolpho kehren, sie wird aber nie sprechen können, oder der Jüngling wird zum Goldfisch, damit er Amelia immer nahe sein kann. Sie werden sich aber nie körperlich vereinen können.
Die Welt hinter der Netzhecke ist die Stadt mit ihren Lichtern, ihren Festen, mit den vielen Menschen in schönen Kleidern. Hier beim Flussufer ist Natur, Stille und Harmonie. Wofür werden sie sich entscheiden?


Ich bin stark und selbstbestimmt, doch ich bin auch verzaubert, verwunschen und dazu verflucht, deine Seele in meinen Bann zu ziehen. Mit meinen Reizen locke ich dich in die Tiefe meiner Wasserwelt, meiner Unterwasserwelt. Als seelenloses Wesen brauche ich deine Seele, um lebendig zu bleiben. Dass du dabei aus deinem vertrauten Element und Erdendasein herausgerissen und abgeschnitten wirst, nehme ich schweren Herzens dabei in Kauf. Es soll dir nicht schlecht dabei ergehen.

Leidenschaft, Tod und Wiedergeburt. Leidenschaft im Wandel. Hier ist der Raum für Tod und Wiedergeburt, für das vollenden eines Zyklus. Passion, Feuer, Lebendigkeit. Was geschwächt, veraltet oder instabil geworden ist und für die Gesamtheit deines Wesens nicht mehr nützlich ist, kann dem Neuen geopfert werden. Mit Sorgsamkeit dahingegeben. Loslassen, Neues empfangen. Sich verwandeln lassen.

Treibholz







Natürlich sind die Treibhölzer an sich schon kleine Kunstwerke. Die Tonalitäten der Naturtöne, verwaschen und vom Wasser abgeschliffen, die zum Teil skurillen Formen, die Wurmlöcher usw. Es gibt so viele Varianten, sie in Szene zu setzen: fotografieren, aufreihen und als Mobile aufhängen, Möbel damit gestalten… Ich sammle sie allein schon um des Sammelns wegen. Genau wie die bunten Steine am Strand oder die Federn, oder die Roststücke, die ich auf der Strasse finde.

Beim Betrachten der einzelnen Hölzer werde ich neugierig: Was geschieht, wenn ich sie auf einen Träger aufklebe und auf eine einheitliche Fläche herunterschleife? Ich probiere es aus.
Die individuellen Formen werden wichtig. Die Tonalitäten der Hölzer werden sichtbar und auch die unterschiedlichen Strukturen, Masierungen. Ich bemale den Hintergrund schwarz, damit die Formen noch mehr zur Geltung kommen. 
Zuletzt setze ich noch farbige Akzente – die Naturtöne reichen mir nicht. Ich experimentiere auch mit einer Gravierung. Oben das keltische Zeichen für „Leben“ und unten das natürliche Zeichen für „Leben“: das im Meer getriebene, vom Meer gewaschene Holz, welches einen weiten Weg hinter sich hat.

Material verschönern

Im Folgenden gehe ich wieder mehr auf das Material ein als auf den Bildinhalt. Von meiner Umwelt her beschäftigt mich Vieles, doch kann ich es noch nicht in einer sichtbaren Form  ausdrücken. So kann ich mich bei meiner gestalterischen Arbeit wieder auf Greifbares konzentrieren. Wenn ich mich mit Material beschäftige, gibt mir das eine konkrete Aufgabe, welche es zu lösen gilt. Ausserdem ist es  ja nach wie vor mein innerer Drang, das vorhandene Material umzugestalten.




 Ich habe noch Holzplatten gefunden, die von einem Regal stammen. Quadratisch, 30 x 30 cm, Dicke ca. 2 cm. Sie sind beschichtet, so dass ich sie nicht direkt bemalen kann. Also kaschiere ich sie mit Kleister und Supermarktprospekten. Als zweite Schicht nehme ich Ausschnitte aus Zeitschriften, um einen strukturierten Hintergrund zu bekommen. Das Ganze bemale  ich dann mit Lasurschichten aus Acrylfarbe.
Ich suche mir ebenfalls aus Zeitschriften geeignete Vorlagen für eine grafische Schwarz-Weiss Umsetzung. Die fotokopierten Vorlagen bearbeite ich bis mir eine optimale Schwarzweiss-Umsetzung gelungen ist. Nun kann ich die Formen nur noch auf die Brettli übertragen.

Mir gefällt die Mischung zwischen gemalten Flächen und Collagen aus meinen Zeitschriften, um dem Bild Musterstrukturen zu geben. Das Ergebnis erinnert mich an Comic, hat etwas Poppiges und Jugendliches... 
Grösse 20 x 20 cm.
Am liebsten würde ich so etwas ins Grossformat umsetzen. Was dann aber schwieriger ist, sind die Collagenteile, sie müssten aus mehreren kleineren Fetzen zusammengesetzt sein. Da könnten die Formen an Schwung und Kraft verlieren. Ich werde es trotzdem versuchen.



Hier habe ich zwei alte runde Holzbretter mit Gipsbinden überzogen, mit Collagen und Acrylfarbe überdeckt und Schwemmholz und Rostteile aufmontiert. Die Bretter musste ich überziehen, da sie aus ziemlich grobem faserigem Holz bestehen. Sie dienten vermutlich mal als Deckel eines Vorratsgefässes und stammen aus dem verlassenen Haus (siehe Post vom 22.2.).
Durchmesser ca. 40 cm, Dicke ca. 5 cm


Hier besteht der Bildträger aus eingegipstem Recyclingkarton. Aufgesetzte Schwemmhölzer wurden miteingegipst. Spätere habe ich das Ganze bemalt und punktuell wieder mit farbigen Schnipseln aus Zeitschriften beklebt.
Grösse: ca. 25 x 40 cm

Und wieder zwei neue Schreine aus Kartonschachteln, Gipsbinden, Zeitschriftenschnipseln und Schwemmholz.

Höhe ca. 35 cm







Überfluss oder Wohlstand?

Ich packe die letzte Fuhr aus der Schweiz aus und bin überschwemmt von Material und Farben. Soviel Material habe ich noch! Das stresst mich total. Ich bin blockiert, weil ich den inneren Druck verspüre, das was ich habe zu brauchen zu verwerten, etwas Sinnvolles daraus zu machen. Kann ich mit Überfluss nicht umgehen? Kann ich nicht einfach aus dem Vollen schöpfen? Über-fluss aus dem Vollen Schöpfen. Es überfordert mich.
Dann kommt in mir das Gefühl auf, ich möchte alles verschenken, so dass ich nichts mehr habe, dann wäre ich frei, mit dem was zu machen wo übrig bleibt. Mich interessiert eigentlich woher dieses Gefühl kommt. Aus meiner Familiengeschichte? Ok das lasse ich mal ruhen, nehme es wahr.

Nach 2 wöchiger Pause bin ich wie an einem anderen Punkt. Die kindliche Neugierde wird von einem ernsthaften Suchen nach Form, Inhalt und Eigensinn. Was interessiert mich wirklich? Ich habe Angst vor Belanglosigkeit, etwas was einfach entsteht und mit sich selbst dann abgeschlossen ist. Ich suche eine Kontinuität. Fast schon verzweifelt. Ich zweifle, tigere umher über Tage… -hat es damit zu tun, dass ich nun im Besitz bin von 2 grossen Schachteln voll Acrylfarben, Pigmente in Hülle und Fülle, Pinsel und alles was die Künstlerseele sich wünschen kann? Als ob mein Forschergeist in diesem Überfluss erstickt würde. Also drängt sich hier statt "Überfluss" das Wort "Wohlstand" auf. Es steht, es bleibt stehen, ist also passiv... 


Ich bin total blockiert, ja schäme mich sogar etwas, dass ich soviel habe. Material verpflichtet, muss entsprechend gewürdigt werden und muss dementsprechend auch würdige Werke entstehen lassen. Was für ein hoher Anspruch! Dann also lieber mit wenig auskommen müssen, dann aber damit etwas Gutes machen. Hier begegne ich aber wieder meinem eigenen persönlichen Lebenskonzept. Gesetzte Grenzen, begrenzte Umstände geben mir die innere Freiheit, meine Kreativität optimal herauszulocken.






































Nun darf ich aber aus dem Vollen schöpfen, Überfluss, überfliessend. Die Bewegung interessiert mich, die Farbspielereien, die Grösse. Schwingung, Wow, grösser werden! Gleichzeitig entdecke ich das Wechselspiel von gebrochenen Farben zu reinen Farben. Sie spielen miteinander, bringen sich gegenseitig zum leuchten. Farben, die mich bislang wenig interessierten: Graubraun, Altrosa, Graugrün.






































Was mir sehr gut gefällt ist die Offenheit, welche diese Bilder nun ausstrahlen. Trotz Grösse scheinen sie einen kleinen Ausschnitt eines noch Grösseren zu sein. Es geht weiter es fliesst, es ist nur ein kurzer Eindruck einer grossen spannenden Reise der Farben und des Lichtes.
Lichtreise



Wildnis


Leichtigkeit

"Ti porto bene" Acryl und Pigmente auf Papier und Pavatex, 73 x 90 cm

"Non lasciate passare!", Acryl und Pigmentlasur auf Papier und Pavatex, 83 x 110 cm
Die grossen Pavatexplatten, ein Geschenk von Irene haben es mir angetan. Vor allem das grosse Format. Da sie auf der glatten Seite rundherum mit einer Leiste versehen sind werde ich die gerippelte Fläche als Vorderseite benutzen. Das heisst ich überkleistere sie zuerst wiedereinmal mit diversen Supermarktprospekten. In Fetzen aufgekleistert ergeben sie erst einmal eine spannenden Untergrund. 
Mit dünnen Lasurschichten (Pigment mit Clavé-Wandlasur) überstreiche ich den collagierten Untergrund ein paar Mal. Immer schön trocknen lassen. Es entsteht eine spannende Struktur. Ab und zu ein paar Fetzen aus der Illustrierten, um Farbtupfer durchscheinen zu lassen. 
Da bin ich wieder völlig in meinem Element: ich liebe die entstehenden Verläufe, zarte leichte Übergänge, Strukturen, welche von den Papierschichten noch sichtbar sind. Die zart überlagerten Lasurschichten ergeben eine Tiefenwirkung. Ich benutze Weiss, Siena gebrannt und Hellgelb. 
Schliesslich muss ich mich um eine Komposition kümmern. Ich möchte keine homogene Fläche, sondern einen spannungsvollen, abstrakt gehaltenen Hintergrund, um dann etwas davor zu setzen, etwas ganz Konkretes, Lebendiges! 
Die Pigmentfarben haben eine wunderbare Leuchtkraft. Den Effekt der Farblasuren habe ich schon an den Hausinnenwänden ausprobiert und ich staune immer wieder, welche Tiefe entsteht, wenn sie vollständig getrocknet sind: jedes Mal eine Überraschung! Ich versinke also wiedermal ganz in die momentan entstehenden Prozesse, welche die Materialien hervorrufen: beobachten, reagieren, mit dem Beobachteten etwas Neues probieren und wieder beobachten…

Irgendwann kommt der Punkt, da ist die Fläche so, dass ich sie belassen möchte. Doch mir fehlt noch ein Fokus. Etwas Konkretes, etwas Eindeutiges davor. Sonst fehlt für mich die Berechtigung aufzuhören. 
Ich weiss nicht, warum ich dabei auf Tiere komme, und zwar in naturalistischer Art. Mit der Wahl des Lebewesens setze ich natürlich eine Metapher. Das geschieht jedoch intuitiv. Ich denke nicht an eine Aussage, nein, ich erspüre vielmehr, welches Bild, welcher Seelenausdruck nun vor diesen Hintergrund passt
Banal: ein Hintergrund, entstanden wie ein alchemistisches Gemisch, und ein Etwas, was ganz klar polarisiert, oder hinweist oder sagen will oder eitel aufgesetzt wirkt. Und ich möchte, das dieses Etwas lebendig wirkt. Sodass dieser wunderbar „gewachsene“ Hintergrund einen würdigen Repräsentanten erhält. Ein Vertreter, eine Vertreterin, welche dem Betrachter den suptilen, Hintergrund Geltung verschafft…

Die Friedenstaube: hier ist es wieder das Licht und die Untersicht welche dieses leuchtende Gelb wunderschön untermalen. Das Dreieck gibt dem fliegenden Vogel die Dynamik. Dreieck, es steht vielleicht noch etwas zu gerade, es hätte auch mehr nach links kippen können. Wie in einem Augenblick eingefangen, schnell umrissen mit dem Graphitstift, den Moment der oben vorüberfliegenden Taube erfasst.


Der Ara: Das Braun der Hintergrundschichten weckt den Eindruck von alten Zeiten, etwas Vergilbtes, Verblichenes. Verblichenes Paradies, der Urwald leicht angedeutet nur die Silhouetten, Schatten der Pflanzen. Der „aufgesetzte“ Ara im Anflug zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Einer der schönsten Vögel der Welt vor dem Paradies, dem vergangenen Paradies. Faszination der Farben, der Farbenvielfalt dieser Schöpfung. Es ist unglaublich! Ein Nachklang des Paradieses?  



Collagen - zurück in die innere Welt...

Care for your inner princess


Be your own treasure


Little escapes


Wir denken nicht an morgen


Lueg Ätti...


The only thing that is shure


Lost in the past


verlassen und vergessen part 2







verlassen und vergessen...

















































Vergessenes Haus.
Der Schimmel, die Feuchtigkeit, die Erde hat die Welt langsam zurückerobert. Im Keller persönliche Sachen, Hefte, ein paar Papiere, viele Gebrauchsgegenstände - schon total verrostet. Heiligenbilder mit einem besonderen Segen des Papstes. Was bleibt? Eine Welt in der Welt, die niemanden mehr interessiert. Hier wohnte einmal eine Familie, war das Haus erfüllt mit Kinderlärm, vielleicht auch Klatsch und Tratsch über Nachbarn... Vielleicht wurden hier Krankheiten ausgestanden, Probleme gelöst. Doch es wurden auch Kinder gezeugt, Mahlzeiten gekocht. In der Küche noch vergammelte Salz- und Zuckerpackungen, Plastikteller im Gestell aus den 60-er Jahren. 

Das Leben dieser Familie in diesem Haus ist vorbei, die letzte Bewohnerin gestorben, bereits vor einigen Jahren. Nun beginnt das Leben der Mäuse, Käfer, Fledermäuse, Würmer die Welt zu erobern. Der Lichteinfall, die herabhängenden Tapetenreste, bilden fast sakrale Momentaufnahmen. Licht, Schatten, Dreckschichten wie zu einem Kunstwerk arrangiert.



























Ich lasse alles wie es ist, staune, bin etwas berührt ab den kleinen Zeichnungen an der Deckentapete, als ob sie persönlich für jemanden angefertigt wurden. 

Ich trete in das nächste Zimmer, in dem ein altes, verrostetes Bettgestell noch am angestammten Platz steht. Der Inhalt der einstigen Bettdecke ergiesst sich über die Bettfläche und auf den Boden – verrotteter Flaum, wie ein Sinnbild der aufgebrochenen Intimität, die nun zum Zerfall verurteilt ist. Es wäre ein schönes Foto geworden, doch irgendeine Scham hindert mich daran, dieses Bild festzuhalten. Es liegen noch persönliche verrottete Kleiderstücke auf dem Fussboden im Dreck. Alles in allem ein intimer Ort. Ich spüre diese intime Atmosphäre und habe Respekt. Die „Heiligen“ sind hier die Menschen mit ihrer persönlichen Geschichte, welche hier gelebt haben.

Da ist wieder dieser Begriff der Würde, der in mir auftaucht. Jedes Leben hat eine Würde, egal wie es zu beurteilen wäre. Eine Lebensgeschichte ist immer ein aus Prozessen entstandenes Werk. Entstanden durch Einwirkungen, Entscheidungen, Beziehungen mit der Umwelt. Ein vernetztes System, was gesteuert werden muss, um seine innere Freiheit zu bewahren. Was nach mir ist weiss niemand, was aus dem wird, was ich zurücklasse kann ich nicht direkt steuern, aber ich kann es beeinflussen. Ich kann Weichen Stellen, Regeln aufsetzen, meinen Willen mitteilen.

Zurück zum Haus. War es das? Welche Würdigung kommt ihm noch zu? Wird es einfach immer mehr zerfallen? Wird es zu Erde, der Inhalt zuerst und nach und nach auch die Mauern?

Eigentlich sollte man auch hier eine Art Pilgerstätte errichten. Der Mensch muss ab und zu sehen, was mit ihm geschieht, wenn nichts geschieht. Memento mori.

Einen Moment innehalten, beten, dass das, was ich hinterlasse nicht einfach nur zerfällt und vergessen geht, sondern noch anderen Menschen dienen kann.


Eine Collage als Hommage an die letzte Bewohnerin.

Vernetzungen

Tanz des Lebens Part III 80 x 100 cm, Acryl auf Leinwand Vernetzungen Wir „sehen“, was auf unsere Netzhaut trifft. Wir nehmen wa...